minarett
Ich bin hier fremd. Ob ich seit gestern ein wenig fremder bin, kann ich schlecht sagen. Dafür ist das mit der Minarett-Entscheidung am Ende dann doch zu sehr etwas, das ich aus der alten Heimat kenne. Man kann schlecht den Kopf über die Schweizer schütteln, wenn man selbst Kopftücher politisiert und aus dem Unterricht verbannt. Insofern könnte ich mich makabererweise schon wieder ein Stück heimischer fühlen. Hey, die sind gar nicht so anders hier. Damit bin ich dann hier so fremd wie dort. Was es zu einer persönlichen Sache macht und nicht zu einer kulturellen oder politischen oder weltanschaulichen. Weltanschaulich? Das Wort muss ich glaube ich zurücknehmen - wer sich die Welt anschaut und nicht nur sein kleines Dörfli, der handelt anders. Wer sich die Menschheit anschaut und nicht nur bis zum Nachbarn denkt, der lebt auch anders. Jetzt sitzen sie da, klopfen sich beim Quöllfrisch auf die speckigen Schenkel und feixen sich das Resthirn weg, tatsächlich glaubend, sie hätten eine gar grusige Gefahr von ihrem Land fern gehalten, während in anderen Ländern ebenso beschränkt in die Welt schauende Herren beim Pfefferminztee sitzen, Al Jazeera schauen und sich überlegen, ob es nicht eine gute Idee wäre, ein paar Schweizer Kirchtürme aufs Korn zu nehmen, dafür braucht man nicht mal Flugzeuge, so klein sind die. Nur - während die Mehrheit der muslimischen Welt das, was der islamische Extremismus der Welt antut, für Barbarei hält, hat hier in diesem Land nicht eine Partei etwas entschieden, nicht einmal das Parlament - es war das Volk selbst. Und das ist dann das, was mich letzten Endes eben doch eher fremder sein lässt als vorher. Als Fremder bin ich nicht beteiligt. Nicht an dieser Peinlichkeit - und auch nicht mehr an dem, was diese nicht minder peinliche Guttenberg-Westerwelle-Brüderle-Bande aus der alten Heimat macht. In der gar nicht mehr so neutralen Schweiz kann ich mich von allem distanzieren, was ich widerlich finde. Käme doch nur so etwas wie Erleichterung auf.
eingeschweizt - 30. Nov, 17:10

soeben Ihr Blog auf der Startseite entdeckt, hängen geblieben und alles gelesen, abonniert und nun voller Hoffnung, dass es hier irgendwann weitergehen könnte. Sie schreiben so herzerfrischend, einfach wunderbar!